Natur-Coaching

Spazieren gehen in der Natur

Das unterscheidet Waldbaden von Wandern

 

Waldbaden statt wandern – Beim Spazierengehen entdeckt man viele Wunder!

Ich liebe es, in der Natur spazieren zu gehen. Gemächlich, keineswegs hastig, auch nicht sportlich, sondern ich gehe gemütlich umher, manchmal lege ich die Hände auf den Rücken, bleibe hin und wieder stehen, um zu lauschen oder einfach nur den Blick schweifen zu lassen. Was in der Zeit der Renaissance in den Gärten und Parks angesagt war und auch schon in der Biedermeierzeit in der freien Natur hinlänglich praktiziert wurde, musste ich erst wieder lernen. 

Das war nicht immer so …

Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich in jungen Jahren mit einem Freund unterwegs war, der langsam schlenderte und dabei eine tiefsinnige Unterhaltung mit mir pflegte. Das entsprach nicht meiner Gewohnheit, schnellen Schrittes eine „Runde zu drehen“. Es fiel mir schwer, mein Tempo zu reduzieren und den Weg zum Ziel zu machen. Heute ist es für mich vertane Zeit, wenn ich wie neulich mit einer recht sportlichen Freundin außer Atem durch den Wald rase. Ich kriege überhaupt nichts mit! Genauso gut könnte ich in einem Fitnessstudio sein und auf eine Waldtapete schauen, nur dass die Luft draußen besser und frischer ist. Die Bäume schütteln bestimmt verständnislos sachte ihren Kopf, wenn wieder Menschen mit klappernden Gehstöcken vorbei kommen oder Jogger mit Kopfhörern in den Ohren. Wenn du zu schnell unterwegs bist, bleibt dir die ganze wilde, vielschichtige und überaus lebendige Welt des Waldes verborgen. Deswegen – lieber Waldbaden statt Wandern.

Der Wald kommuniziert mit mir

Während ich also entspannt durch den Wald schlendere, bemerke ich, dass gleich hinter mir etwas vom Baum auf den Boden fällt. Alles andere ist ruhig, es geht kein Wind. Verwundert bleibe ich stehen und drehe mich um. Welcher Baum war es wohl? Die Fichte links, die Eberesche oder die hohe Buche rechts? Gleich darauf klickert es wieder. Dieses Mal kommt ein ganzer Schauer nieder – es ist eindeutig die Buche. Sie lässt schubweise die letzten Kapseln der Bucheckern fallen, die an den noch kahlen Ästen den Winter überdauert haben. 

Solche klaren Zeichen nehme ich als Einladung wahr:

Der Wald kommuniziert mit mir. Wenn ich offen dafür bin, kann ich die Botschaften verstehen und meinerseits darauf reagieren. Es sind ja keine Worte, eher Gesten oder ein Gefühl, das bei mir ausgelöst wird. Manchmal fällt wie heute etwas von oben herunter. Fichten oder Kiefern lassen auch gerne ihre Zapfen fallen, um auf sich aufmerksam zu machen. Es kann aber auch ein Lichtstrahl sein, der einen Platz im Wald oder einen Baum beleuchtet. Spot an: Da ist es, schau hin, ich möchte dir etwas zeigen! Oder es begrüßt mich eine leichte Windböe und übermittelt mir ein herzliches Willkommen. Es kommt auch vor, dass alles still ist und nur ein Blatt sich im Wind hin und her bewegt. Es winkt mich zu sich herüber oder mir nur einfach aus der Ferne zu: Hallo! Bäume und Sträucher, auch Blumen, reagieren auf unsere Ausstrahlung: Wenn ich ganz nah an einen Zweig herangehe, um z. B. ein Foto von einem Blatt, einer Knospe oder glitzernden Wassertropfen zu machen, dann fängt der Zweig oft an sich zu bewegen und schaukelt vor meiner Linse hin und her. Leicht erschwerte Bedingungen für scharfe Fotos!

Die Buche lädt zum Verweilen ein

Ich nehme also die Einladung der Buche an und gehe zu ihr. Sie ist hoch gewachsen, unten sind die frühlingsgrünen Blätter schon entfaltet, weiter oben ist sie noch komplett kahl und besetzt von den leeren Kapseln der Bucheckern. Auf der einen Seite hat der glatte Stamm eine lange Längsfalte wie ein langgezogener Bauchnabel. Ich lege meine Hände an ihren glatten Stamm und lehne meinen Bauch an ihren. Mein Herz schlägt, po-pom, laut und kräftig, ein bisschen zu schnell und holprig. Komisch, so schnell bin ich doch gar nicht gelaufen! Der Herzschlag wird allmählich immer ruhiger. Ich drehe mich um und lehne mich mit dem Rücken an den kräftigen Stamm. So kann ich hochschauen bis in die Krone. Irgendwann setze ich mich zu ihren Füßen, mein Wurzelchakra ganz nah an ihren Wurzeln. 

Um mich herum sind lauter kleine Buchenkeimlinge. 

Die wenigsten werden es zu einem großen Baum schaffen, aber das hindert die Buche nicht daran, kraftvoll jedes Jahr wieder Bucheckern im Überfluss herunter regnen zu lassen. Und wenn nur ein Keimling es schafft, bis die Zeit der Buche zu Ende gegangen ist, dann reicht es ja. So ist es auch mit meinen Ideen: ich habe immer mehr Ideen als ich umsetzen kann. Und das ist auch gut so, solange eine dabei ist, die wächst und gedeiht. Ein kleiner Kapselschauer geht um mich herum nieder, eine fällt auf meinen Kopf. Ich weiß, die Buche und ich, wir sind in Verbindung.

 

Die Samen der Buche sind aufgegangen! Wie viele wohl groß werden?

Als ich wieder aufstehe, geht es mir viel besser als vorher. Die Unruhe hat sich gelegt. Ich bin nicht mehr so aufgewühlt und auch mein Herzschlag ist wieder normal. Ich bedanke mich mit einem Lächeln und einem Atemzug voller Liebe für diese spontane Einladung und verabschiede mich für heute von der Buche.

Spazieren gehen in der Natur

3 Gedanken zu „Spazieren gehen in der Natur

  1. Liebe Anita, dein Artikel hat mich bewegt. Ich bin bis vor kurzem auch nur Sportlich unterwegs gewesen und habe am Rande etwas von der Natur gesehen. Jetzt ist es so, dass ich ziemlich langsam unterwegs bin und so viel mehr von der Natur aufnehme. Ich setze mich manchmal für einen Augenblick auf einen Baumstamm und genieße die Geräusche des Waldes. Tief in mir drin klingt etwas an.
    Hier bin ich auf dem Weg und möchte mein Leben achtsamer und langsamer gestalten.
    Lg Kerstin

  2. Liebe Anita,
    fühle mich gerade sehr verbunden mit Dir. Habe den 1.ten Mai auch so ähnlich nutzen können. Zumindest ein paar Stunden. Es hat mich auf neue Pfade geführt und mich haben die Wildpflanzen eingeladen im Schutz der Bäume von Ihnen zu kosten. Dieses üppige grün und all dass neue Leben hat mich so in seinen Bann gezogen dass es mir schwer viel am Abend Abschied zu nehmen.
    Freue mich auf ein Baldiges Wiedersehen. Herzensgruss von Barbara

  3. Liebe Anita,
    was für ein wunderschöner und erfrischender Artikel. Ich sehe Dich langsam laufen, höre und rieche den Wald. Ich liebe den Wald, meinen „Kemptener Wald“ ganz besonders, den ich schon als kleines Mädchen im Kinderheim kennen und lieben gelernt habe. Meine erste große Liebe war eine Tanne, die heute noch steht. Neulich haben wir einen Seidelbast entdeckt, immer wieder ein Wunder!
    Herzliche Grüße aus dem Allgäu
    Margaretha

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